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  • Kevin Kada

12 in 12 - Löwen: Tötung auf Bestellung

Aktualisiert: 27. Jan.

Willkommen zum ersten Beitrag meiner Reihe "12 in 12". Ein Jahr lang beleuchte ich die Situation verschiedener Tierarten in unserer Welt. Dabei konzentriere ich mich vor allem auf ihr Leben in Gefangenschaft aber auch, was ihnen in der freien Wildbahn droht.


Und wir starten mit dem König der Tiere: Der Löwe.



Und bevor wir uns um das Thema "Löwe in Gefangenschaft" kümmern, zunächst die Situation in der "freien Wildbahn".


Der Löwe ist vom Aussterben bedroht. Schätzungen zufolge soll es nur noch zwischen 20.000 und 25.000 Löwen in der Wildnis geben. Man hat sie aus 94 Prozent ihres eigentlichen Lebensraumes vertrieben, heute finden wir sie nur noch in wenigen Teilen Afrikas.


Doch was ist mit den Löwen, die in zahlreichen privat geführten Gebieten angezüchtet werden? Teilweise sogar in staatlich geförderten oder betriebenen Gebieten. Nun, diese Löwen werden in den Schätzungen nicht miteinbezogen. Warum? Weil sie gezüchtet werden, um später zu sterben.


Tourismusfaktor: Töten


Großwildjagd gehört zu den stärksten Tourismussektoren in Afrika. Verschiedene Staaten genehmigen solche Jagden, um reiche Jagdtouristen ins Land zu locken. Für einen Löwen geben Urlauber gut und gerne 20.000 Euro oder mehr aus. Davon profitieren nicht nur die Unternehmer vor Ort, sondern natürlich auch der Staat.


Über den Begriff der "Jagd" kann man in diesem Zusammenhang streiten. Grundsätzlich handelt es sich um eine Variante der „Gatterjagd“. Diese Jagdvariante gibt es auch in Österreich, unter anderem bei verschiedenen Wildarten.


Während es in Österreich meist große Herden auf engstem Raum sind, sieht die Sache in Afrika ein bisschen anders aus. Denn was viele nicht wissen ist, dass die meisten Anbieter ihre Jagdangebote mit einer "Treffergarantie" ausstatten. Es ist also sicher, dass man für sein Geld auch auf seine Kosten kommt. Man bezahlt nicht für das "Erlebnis", ähnlich wie Fotografen, die eine Safari buchen und bestimmte Tiere sehen oder eben nicht sehen, man bucht das Leben des Tieres.


Was dahinter passiert?

Denn die Löwen werden vorbereitet. Nicht nur ihr Leben lang auf ihren Tod, sondern vor allem kurz vor dem Abschuss. Die Löwen werden unter Drogen gesetzt. So sind sie Träge und leichter zu erschießen. Nach der erfolgreichen Jagd werden die toten Tiere dann trappiert, damit der erfolgreiche Jäger ein Foto mit seiner Beute bekommt.

Während der Jäger seine schönen Fotos begutachtet und sich daran erfreut, ein wehrloses Tier erschossen zu haben, wird die Leiche des Löwen ausgeschlachtet und danach wie Müll entsorgt.


In dieser Sache gibt es aber zumindest eine positive Nachricht: Wie im Vorjahr bekannt wurde, will Südafrika diese Art der Jagd künftig verbieten. Noch, ist dieses Vorhaben aber nicht umgesetzt.


Hinzu kommt in Afrika natürlich auch noch das Problem der Wilderei. Weil Tiger in Asien immer seltener werden, satteln die Wilderer um und schießen vermehrt Löwen. Hier gibt es zwar zahlreiche Schutzorganisationen, die sogar mit bewaffneten Wachmännern dafür sorgen, dass eben kein Löwe illegal erschossen wird, ganz verhindern kann man das allerdings nicht.


An dieser Stelle werden sich einige von euch jetzt vermutlich fragen: Geht es dem Löwen denn dann in Gefangenschaft besser?


Einfache Antwort: Nein. Anders. Aber definitiv nicht besser.

Reißen wir also hier erstmals (und in den kommenden zwölf Monaten noch öfter) das Thema Gefangenschaft auf.


Dabei gibt es wesentliche Argumente, die vor allem von Zoo-Betreibern immer wieder vorgebracht werden. Nur diese alleine zu beleuchten (und zu entkräften) wäre ein ganzes Buch (ein Blog-Eintrag würde da nicht reichen). Diesem Thema werde ich mich in Zukunft aber verstärkt widmen und eben auch bei den verschiedenen Tierarten immer mit hineinnehmen.


Die Argumente:

  • Zoos sichern das Überleben der Tierarten

  • Zoos fördern die Bildung von Kindern

  • Zoos sorgen für eine artgerechte Haltung


„Zoos sichern das Überleben der Tierarten“

Ja und nein. Es stimmt, dass Zoos grundsätzlich darauf bedacht sind, die Tiere die sie zeigen auch am Leben zu erhalten.

Aber das war es dann auch schon. Es gibt diverse Artenschutzprogramme, die auch in den verschiedenen Zoos mehr oder weniger gut praktiziert werden, wenn man aber das Kleingedruckte der Ziele dieser Programme liest, dann stellt man schnell fest: Da geht es nicht darum, die Tiere vor dem Aussterben zu schützen oder gar auszuwildern. Im Europäischen Erhaltungszuchtprogramm der EAZA (European Association of Zoos and Aquaria) heißt es zum Beispiel: The aim of EEPs aim is to have and maintain healthy populations of healthy animals within EAZA and beyond“

Also geht es darum, einen gesunden Gen-Pool unter den Tieren zu erhalten, die Teil des Programmes sind. Vereinfacht gesagt, heißt das: Wenn man einen Eisbären in Wien mit einem Eisbären aus Berlin zusammenbringen will, damit diese Nachwuchs produzieren, dann sollen hier natürlich zwei verschiedene Gen-Pools gekreuzt werden und nicht vielleicht Cousin und Cousine ein Kind zeugen. So verhindert man Seuchen und Krankheiten, die ganze Tierarten in einzelnen Zoos ausrotten könnten.


„Zoos fördern die Bildung von Kindern“

Ja, stimmt. Wenn man den Kindern beim Besuch des Zoos beibringt, dass es nicht gut ist, Tiere in Gefangenschaft zu halten. Ja, dann ist es Bildung. Ansonsten nicht. Denn dieses Argument, man wolle den Kindern bestimmte Tiere im echten Leben zeigen zieht nicht. Warum? Weil man diese Tiere nicht in ihrer natürlichen Umgebung sieht. Man sieht sie in Gefangenschaft. Zahlreiche Studien zeigen, dass Tiere in Gefangenschaft eine deutliche Wesensveränderung erfahren. Teilweise verfallen sie dem Wahnsinn. Auch sollte man bedenken, was diese Aussage überhaupt bedeutet. Natürlich würden wir alle gerne einmal ins Weltall. Denn nur wenn man das Weltall erlebt hat, kann man es verstehen und auch interessant finden, oder? Nein. Das ist einfach nicht für jeden Menschen möglich. Und so ist es eben auch in der Tierwelt. Man kann Tiere auch lieben, ohne dass man sie jemals im echten Leben gesehen hat. Sofern man also nicht mit seinen Kindern und einer objektiv-wissenschaftlichen Führung durch einen Zoo geht, so erfüllt der Zoo keinen Bildungsauftrag.


„Zoos sorgen für eine artgerechte Haltung“

Wer entscheidet eigentlich, was eine „artgerechte Haltung“ ist?


In der österreichischen Tierhalteverordnung unter dem Paragraf 7.10.3. Großbären (Ursidae) einschließlich Großer Panda (Ailuropoda sp.) ist für Eisbären zu lesen:

Eisbären müssen ein Außengehege von mindestens 400 m2 haben, zudem eine Überwinterungsbox von 8 m2 pro Tier sowie ein Wasserbecken mit mittlerer Wassertiefe 2 m und Mindestgröße 60 m2 notwendig ist.

Das sagt der Gesetzgeber. Aber reicht das wirklich aus?


Die Tierschutzorganisation WWF schreibt in ihrem Artenlexikon dazu: Die Größe (des Eisbären, Anm.) unterscheidet sich je nach Lebensraumqualität, Lebensraumstabilität und Lebensabschnitt und beträgt durchschnittlich 20.000 bis 250.000 Quadratkilometer.


400 Quadratmeter vs. 20.000 bis 250.000 Quadratkilometer - reden wir dann bei einem Außengehege von 400 m2 wirklich von einer artgerechten Haltung?


Update: Nachdem mich ein Leser darauf hingewiesen hat, hier ein kleiner Vergleich. Rechtlich steht einem Eisbären ein Gehege so groß wie 1,6 Tennisfelder zu. In der freien Wildbahn lebt er aber auf einer Fläche zwischen der Größe von Slowenien und jener Großbritanniens.


Ähnlich sieht das bei so gut wie allen anderen Tierarten aus und um hier den Bogen zurück zum eigentlichen Thema zu spannen:

Löwen brauchen laut österreichischem Gesetzgeber 500m2 pro Paar oder pro Weibchen mit Jungtier und +10 Prozent pro ausgewachsenem Löwen. In freier Wildbahn bewegt sich ein Löwe auf etwa 50 bis 200 km2. In beutearmen Regionen sogar bis zu 5.000 km2 - auch hier sind wir wieder bei Quadratkilometern.



Was kann man als Einzelperson tun?


Der folgende Absatz ist für alle Tierearten und grundsätzlich gültig. Ich verstehe den Drang, Tiere zu sehen, die wir bei uns nicht kennen. Auch für mich war dieser Drang der Hauptgrund, warum ich zur Tierfotografie gekommen bin. Aber ab einem gewissen Zeitpunkt sollte man darüber nachdenken, wie es Tieren in Gefangenschaft geht. Wenn ihr Kinder habt oder Lehrer*in seid und mit den Kindern den Zoo besucht, dann scheut euch nicht davor ihnen zu erklären, dass es Tieren in Gefangenschaft nicht besser geht. Erklärt ihnen, warum Tiere in Zoos gehalten werden und vor allem auch, was das mit den Tieren anstellt.


Zum Punkt der Wilderei bzw. Zuchtjagd oder Gatterjagd: Es gibt zahlreiche Tierschutzorganisationen wie, allen voran, Vier Pfoten aber auch zum Beispiel die Organisation Panthera, die sich grundsätzlich für den Schutz von Großkatzen einsetzt.


Und falls es euch möglich ist, dann ist es immer noch die beste Variante, wenn man keinen klassischen Zoo, sondern eine Rettungsstation besucht. Wie zum Beispiel das Felida Big Cat Sanctuary in den Niederlanden oder aber auch den Malkia Park in der Slowakei.


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